Echt bezaubernd: Witchcraft von Xiphea

Von wegen Märchen wären langweilig  – das neue Xiphea-Album lässt es kräftig scheppern

Die Vorstellung Märchen in ein Gewand aus melodischem Powermetal zu hüllen, mag befremdlich anmuten. Aber ganz ehrlich: erinnert man sich nur an Grimm´s Märchen, so weiß man wie bitterböse es z.B. Max und Moritz ergangen ist. Stoff für schnelle Songs mit lieblichem Gesang und bitterbösen Growls gibt es also mehr als genug. Nicht zuletzt deswegen sind die Fairytale-Metaller von Xiphea so erfolgreich.

Ihr neues Album Witchcraft widmet sich nun also der Hexerei, wenn gleich auch die Feen um Nachwuchs für ihren Ring buhlen. Oder der kleine aber dennoch standhafte Zinnsoldat. Mit nur einem Bein gegossen verliebt er sich in eine, wie er annimmt auch einbeinige Tänzerin, geformt aus Papier. Dumm nur, dass nicht nur er ein Auge auf die papiernde Schönheit geworfen hat. Er fällt aus dem Fenster und unternimmt eine schicksalhafte Reise, für die vielleicht der eifersüchtige Nebenbuhler den nötigen Anstoß gab. Am Ende endet er achtlos weggeworfen im Ofen. Seine Angebetete wird durch einen Windstoß in die selben Flammen geweht und so verbrennen beide, ohne sich jemals geküsst zu haben. Nur ein Herz aus Zinn und der verkohlte Stern der Tänzerin zeugen später von der unerfüllten Liebe. Klingt tragisch, oder? Tatsächlich wird diesem Märchen ein für Xiphea-Verhältnisse recht ruhiges Lied gewidmet. Ganz anders als z.B. Ghostship oder The Sorcerer´s Apprentice (Der Zauberlehrling). In beiden Songs geht es wild daher, zum Teil mit fiesen Growls fantastischer Gast-Musiker wie z.B. Lisa Rieger (Hydra) oder auch Andrea Weiß.

Die Songs von Xiphea wachsen und reifen stetig weiter. So ist auch Witchcraft wieder voll von sehr abwechslungsreichen Liedern über die Sonnen- aber auch Schattenseiten der Märchenwelt. Frontfrau Sabine verfügt über eine recht hohe Gesangsstimme, die sie gerne zart und verletzlich erscheinen lässt. Die Instrumente bilden dazu entweder mit viel Orchester das angemessene Drumherum, oder aber auch den knallharten und fiesen Kontrast. Auch sonst ist alles dabei, was man sich von melodischem Metal so wünscht. Stil- und Tempowechsel, gerne mehrfach im Song und völlig konträr, aber im Gesamten immer passend wie die Faust auf´s Auge.

Ihr neuester Silberling bekommt von mir neun von zehn Gramm Feenstaub für ein überaus gelungenes Arrangement in großartiger Klangqualität. Einen Punkt ziehe ich dennoch ab, denn an manchen Stellen hätte ich mir den Gesang etwas deutlicher vor den Instrumenten gewünscht.

Witchcraft erscheint am 01.11.2021.
Die Record-Release-Party findet am Freitag, 29.10.2021 im E-Werk in Erlangen statt. Karten nur an der Abendkasse. Die Location wendet die 2G-Regel an. Gast-Acts sind M.I.God , Dotuntertwo und Alia Tempora.

Am Montag 01.11.2021 um 21:00 sind Xiphea auf Radio Schwarze Welle live im Interview.

 

 

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Für Dirk ist Musik nur dann gut, wenn sie etwas mit ihm macht; er muss sie fühlen können. Er scheut sich nicht davor, diese Gefühle in Rezensionen einfließen zu lassen. Seine langjährige Tätigkeit als "Festplattenschubse" in diversen Webradios bildet die nötige Grundlage dafür.