Reingehört: Nino De Angelo – Gesegnet und Verflucht

Der Schlager-Barde wandelt auf düsteren Pfaden

Die Band

Die an dieser Stelle übliche Vorstellung des Musikers kann ich mir bei Nino De Angelo wohl getrost sparen. Selbst Leser, die nicht die Zeit seiner großen Hits miterlebt haben, dürften zumindest seinen All-Time-Hit “Jenseits von Eden” von Feiern und Partys kennen.

Das Leben hielt viele, leider auch bitterböse Überraschungen für den Menschen hinter der Figur Nino De Angelo bereit. An Tief- und Rückschlägen zu wachsen und eben nicht zu verzweifeln ist eine Aufgabe, die das Leben jedem von uns ganz individuell stellt. Auch ihm……

Das Album

Mit Beginn des ersten Songs könnte man mutmaßen, dass jetzt ein weiteres Schlager-Schnulzen-Album anläuft. Die dann alsbald einsetzende E-Gitarre versprüht aber eine gewisse Portion Hoffnung auf etwas Neues. Während Sag es meinem Herzen bitte nicht durchaus bei Dieter-Thomas Heck in der Hitparade hätte laufen können, lässt Gesegnet und Verflucht ein wenig an Unheilig erinnern. Der war am Ende auch sehr schlagerlastig, aber wir reden jetzt ja auch nicht von einer Wiederauferstehung eines Nino De Angelo im Industrial-Gewand.

Bei Zeit heilt keine Wunden macht das einleitende Cello deutlich, dass dieses Lied keine gute Laune versprühen wird. Und es passt so wunderschön, betrachtet man eben die vielen, vor allem gesundheitlichen Stolpersteine in seinem Leben. Unweigerlich erinnert man sich an seine Krebserkrankung, die drei Bypässe für sein Herz, oder aber auch die schwere Lungenerkrankung die seit Herbst 2020 bekannt ist und ihm nach eigener Aussage nicht mehr all zu viel Zeit lässt.

Für das Lied Angel Lost In Paradise hat sich Nino De Angelo das aufstrebende Dark-Rock-Sternchen Scarlet Dorn an seine Seite bestellt. Das verwundert nur auf den ersten Blick. Denn das neue Nino-Album wurde in den Chameleon Studios in Hamburg aufgenommen, produziert von Lord Of The Lost-Mastermind Chris Harms. Und der produziert halt auch Scarlet Dorn. Und beide Stimmen passen so großartig zusammen. Ja, es könnte der legendäre Titelsong am Ende eines Sonntagabend-Tatorts sein. Ganz gleich, der Song ist einfach hervorragend arrangiert und ein Ohrenschmaus.

Wo viel Licht ist, da lauert auch gerne Schatten. Dieser ereilt mich beim Hören von Ich bin Dein Vampir, der jetzt zu einhundert Prozent im Schlager residiert. Textlich im Bereich des Möchtegern-Bösen wirkt das Lied leider ein wenig wie eine Parodie auf Dracula.

Auch Produzent Chris Harms verewigt sich mit einem Lied auf Gesegnet und Verflucht. Zwei rockig-rauchige Stimmen in einem Song sind gewagt. Aber am Ende ist auch Der Panther ein Lied, das man sich gerne nochmal anhört.

Auf dem Album findet sich auch die rockige Neuauflage von Jenseits von Eden. Hätte man lassen können, rundet das Album aber dennoch gut ab. Gesegnet und Verflucht soll ja anscheinend bewusst eine andere Facette von Nino De Angelo beleuchten. Da ist es nur konsequent, dieses neue Gewand auch seinem Lebenswerk zu spendieren.

Fazit

Ganz sicher wird dieses Album für Unruhe sorgen. Bei seinen Fans der ersten und zweiten Stunde, aber auch im Bereich der dunklen Musik. Beiden Fraktionen stößt Nino De Angelo einerseits vor den Kopf, andererseits spricht er aber auch ihre musikalischen Interessen an. Spannend wird es zu sehen, wie die leider nur noch vorgeblich tolerante “Dunkle” bzw. “Schwarze Szene” auf das Album reagieren wird. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Scarlet Dorn und Chris Harms ihre Stimmen dafür gaben und allein deswegen schon Lieder des Albums in szeneorientierten Radios zu hören sein dürften.
Am Ende spielt Gesegnet und Verflucht irgendwo zwischen Matthias Reim, dem späten Unheilig und heutigen Mono Inc..
Und hat mir beim Rezensieren doch echt Spaß gemacht.

Empfehlung: gebt dem Album eine faire Chance!

Tracklist

01 Sag es meinem Herzen bitte nicht
02 Gesegnet und Verflucht
03 Zeit heilt keine Wunden
04 Equilibrium
05 Angel Lost In Paradise (feat. Scarlet Dorn)
06 Ich bin Dein Vampir
07 Romeo & Juliet
08 Der Panther (feat. Chris Harms)
09 Sonnenkind
10 Colonia
11 Brennender Engel
12 Denn wir wissen nicht was wir tun
13 Jenseits von Eden

Quellen

Album-Cover: Facebook-Page Nino De Angelo