Der K(r)ampf der Musiker abseits der Major-Label

Magst auch Du eine Band, die nicht so bekannt ist? Dann sei Dir sicher: auch Deine Band ist davon betroffen!

Viele wissen es, die meisten nehmen es vielleicht nur am Rande wahr und andere blenden es einfach aus. Aber ziemlich wahrscheinlich betrifft es auch DEINE Lieblingsband. Hier erklärt Jürgen von der Band 5TimesZero, mit was für Hürden kleinere Bands zu kämpfen haben, wenn sie auch nur rudimentär wahrgenommen werden wollen. Auf den Punkt gebracht ist es eine echte Schweinerei wie mit den Bands umgegangen wird. Wenn Ihr Jürgen´s Statement gelesen und somit einen Blick hinter die Promo-Kulissen geworfen habt, erklärt sich auch dem letzten Spotify-Anhänger warum man froh sein kann, heutzutage überhaupt noch eine so große Bandbreite an Musik genießen zu dürfen.

Auch die kleinen Medien haben es schwer

Warum wir als Online-Magazin darüber berichten, wo wir doch mit unserer “Branche” ebenso in diesem Statement genannt werden? Eben weil WIR anders sind. Es sind die vielen kleinen unabhängigen Webzines und auch Webradios, die sich tagtäglich mit ähnlichen Hürden herumschlagen müssen. Je kommerzieller der Promo-Verteiler, desto schwerer wird es uns gemacht, dort aufgenommen zu werden. Und dann gibt es durchaus auch “gutgemeinte Ratschläge” wie: “Ich habe gesehen, Du wirst auch von Agentur XYZ bemustert. Darüber müssten wir dann aber mal reden”. Nein, müssen wir nicht. Vielen Dank für den Hinweis und wir lassen das besser.

Und genau deswegen reißen wir uns lieber für kleinere Bands und treue kleine Independant-Label die Beinchen aus. Wir berichten für lau, wir rezensieren für lau und wenn wir mal eine CD als Bemusterung zugeschickt bekommen, ändert das die Meinung an der Musik auch nicht. Die Dankbarkeit ehrlicher und fairer Zusammenarbeit ist uns einfach wichtiger und so unterstützen wir weiter Bands wie Jürgen´s 5TimesZero.

Hier aber nun das Statement von Jürgen

Musik machen – wie es heute ist!
Seit Anfang der 90er Jahre bin ich im Musikgeschäft tätig. Angefangen als Konzertveranstalter und Band.- und Tour Manager. Heute bin ich Mitglied der Band 5TimesZero.
Mit 5TimesZero habe ich 2015, nach einer mehrjährigen Pause, wieder angefangen Musik zu machen. Den Wandel, der sich in dieser Pause vollzogen hatte, habe ich (und die meisten in unserer Band wohl auch) verpasst.

Was ist anders heute? Fast alles! Zumindest für kleine, neue Bands.
Veröffentlichungen:
Wenn man heute seine Songs veröffentlichen will, egal ob physisch oder digital, kann man das ohne Probleme selbst machen über digitale Vertriebsprovidern geht das recht günstig. Da das aber eigentlich jeder kann, geht man sehr schnell in der Masse unter. Plattenverträge sind rar. Die meisten Verträge sind heute dann für Newcomer sehr einseitig. Die Band liefert die fertige CD. Das heißt man zahlt für das Studio, für das Mastern, fürs Coverartwork (oder man wird selbst kreativ), für die CD- Pressung inkl. GEMA – Gebühren. Dann muss das Label für seine Vertriebsarbeit ebenfalls bezahlt werden. Nun reicht es ja nicht nur eine Produktion in die Welt zu senden, man muss die Welt auch darauf hinweisen, dass es die Musik nun gibt. Das kostet dann halt wieder: Bemustern von Printmedien = Betrag X. Bemustern von Onlinemagazine und Socialmedia = Betrag X. Du möchtest in einem der „großen“ Magazinen Erwähnung finden? Kein Problem. Interview, CD-Besprechung etc. alles einzeln gegen Bares buchbar.

Live:

In meiner Zeit als Bandmanager habe ich Bands deutschlandweit Konzerte vermittelt. Ich habe die Veranstalter kontaktiert, Ihnen Demos und Infos zukommen lassen (damals noch per Post) und habe bei Interesse dann die Rahmenbedingungen ausgehandelt (Datum, Gage etc.) Dafür habe ich eine Provision von der Gage erhalten. (Wovon dann meine Kosten noch abgingen wie Porto, Telefonkosten-Flatrate gabs es da noch nicht, wer sich noch erinnert) Heute findet man solche Bookingagenturen nicht mehr. Entweder man hat jemanden in der Band mit zu viel Tagesfreizeit, oder ein Kollege findet die so geil, dass er es freiwillig macht. Ansonsten, ihr ahnt es, bezahlen. Da kauft man sich dann bei einer Agentur ein, die dann einmal alle Ihre Kontakte per Sammelemail „anschreibt“ und dann schaut man mal was passiert. Garantien bekommt man keine. Es gibt Manager, die man monatlich „bucht“, meist für eine Mindestlaufzeit von einem Jahr, ebenfalls ohne Erfolgsgarantien.
Man kann auch das Booking selbst übernehmen. Die Angebote sind oft Folgende
Model 1: Man bezahlt Raummiete und die Einnahmen gehen an die Band/Bands. Für alles ist die Band verantwortlich, also Werbung, GEMA. Getränke Essen, Übernachtung.

Model 2: Door deal. Der Eintrittspreis wird zwischen Location und Bands geteilt. Oft 50/50. Dafür übernimmt der Club dann schon mal Getränke und Werbung (auch nicht immer).

Model 3: Buy-In Diese Variante kommt oft zum Einsatz, wenn man Support für eine bekanntere Band angeboten bekommt. Bedeutet man bezahlt dafür auftreten zu dürfen. Argumente wie: Man wird bekannter und man kann ja durch Merchandise Geld einholen hinken da ein weinig, für mich.

Zu guter Letzt Radio etc.

Das ist meist noch die kostenlose Aufmerksamkeit Standard. Viele Moderatoren sind sehr engagiert und freuen sich über neues Material. Aber auch da gibt es immer wieder den Versuch Geld rauszuschlagen. Erst vor kurzen war in einer FB-Gruppe der Aufruf, Spotify-Links für einen Radioeinsatz zu posten. Gesagt getan, danach bekam ich dann eine Nachricht mit den Paketen die man buchen konnte um dann in den erlesen Kreis gespielten Bands auf genommen zu werden.

Ich wollte einfach mal mitteilen, was viele Musikschaffenden heutzutage auf sich nehmen, um Ihrem Hobby nach zugehen. Gerade auch in finanzieller Hinsicht. Ich möchte hier aber nicht zu den alltäglich Aufrufen „Geht mehr zu Konzerten“ oder „Kauft mehr Musik“ kommen, sondern habe eine Bitte: Wenn Euch ein Lied, ein Album oder eine Band gefällt/interessiert, teilt es ihnen mit. Schreibt Kommentare oder eine Nachricht per E-Mail oder, oder…
Wir machen das fast alle aus Spaß an der Musik und um Menschen zu erfreuen.

Quellen

Titelbild:
Anja Wozikowski
Statement Jürgen Merkel: https://www.facebook.com/juergen.merkel/posts/10207171222236555