Märchen auf Metal: knallhart und feengleich: XIPHEA´s neues Album EVERLAND

Die Fairytale-Metaller von XIPHEA präsentieren ihr neues Album EVERLAND

Die Band

Beginnen wir die Bandvorstellung einfach mit einem Zitat von der Bandhomepage. Besser könnte ich es nämlich nicht zusammenfassen.

Es waren einmal drei Männer und eine schöne Frau, die sich entschieden haben, ein neues Genre der Metal-Musik zu schaffen. Folgen Sie Xiphea in ein Wunderland voller Magie, mystischer Gesänge und spannender Geschichten. Märchen, die jeder kennt, kombiniert mit einer Klangwand. Dieses neue Genre zeichnet sich nicht durch einen polierten, ausgefallenen Pop-Metal-Sound ohne Ecken und Kanten aus. Es funkelt durch seine schönen Melodien, die magische Stimme der Sängerin und den innovativen Erzählstil bekannter und beliebter Märchen. Die Nervosität kommt von den wirklich schnellen, punkigen Gitarrenriffs, der rhythmischen Finesse und nicht zuletzt einem großen Teil von „Heavyiness“. Holen Sie sich die Musik in den Kopf, erleben Sie die kraftvollen, magischen Live-Shows von Xiphea und erleben Sie die Reise zu tollen neuen Erfahrungen. Und das ist das Märchen. . . . .

Und so begab es sich, dass sich im kalten November des Jahres 2011 im wunderschönen Frankenland eine Band gründete, die fortan uns allen bekannte Märchen musikalisch völlig neu interpretieren will.

Das Album
everland
Quelle: Xiphea Bandpage

Mit EVERLAND kommt nun der vierte Silberling der Franken auf  den heimischen CD-Player. Vorausgegangen sind bereits Masquerade (2013), From The Uncharted Island (2014) und Once Upon A Time (2016). Letzteres hat mich erst auf die Band aufmerksam gemacht und damals schon sehr überzeugt. Vor allem der Mut, ein derartig anderes und für sich eigenes Untergenre im Metalbereich zu entdecken, beeindruckte mich einst sehr. Review Once Upon A Time

Für EVERLAND sollte also die Reise durch unser aller Kinderstube weitergehen, viele uns bekannte Märchen galt es, musikalisch neu zu interpretieren. Sehr löblich, dass XIPHEA zu Beginn der Arbeiten ihre Fans fragten, welche Märchen sie denn gerne hören würden. Heraus kam nun eine spannende Vielfalt.

Lies auch:   FACT LIFE II von e-bit

Der erste Song ICE BLOOD CAVE beginnt als episches Intro und baut schon in den ersten Sekunden dank vieler orchestraler Elemente eine geheimnisvolle, wie auch neugierig erwartende Stimmung auf, bis dann nach zwei Minuten Sängerin Sabine und Drummer Daniel schlagartig mit viel Tempo einsetzen.

Track zwei heißt HOOK und könnte durchaus der gebührende Nachfolger von POWER OF THE DWARFS (Once Upon A Time, 2016) werden, bei dem die Fans vor der Bühne laut mitmachen und ausrufen. HOOK!!! HOOK !!!!!! HOOK !!!!!! Volle Kraft voraus, ehrlicher Power-Metal mit trotz hohen Tempos gut verständlichen Vocals.

Musik kann Kunst sein, muss sie aber nicht. Bleibt ein Musiker starr in einem Stil, so hat das nicht viel mit Kunst zu tun, sondern deutet vielmehr auf eine recht überschaubare Flexibilität hin. Mit Beginn von GENIE beweist mir EVERLAND, dass dieses Album durchaus Kunst ist, die Band sich nicht nur sehr intensiv mit dem dahinter stehenden Konzept auseinander gesetzt hat, sondern musikalisch halt einfach sehr flexibel und gut aufgestellt ist.

GENIE steht für Dschinni: Er ist ein Flaschengeist aus einer Wunderlampe, die einst Aladdin in die Hände fiel. Dieser schenkte ihm dann auch die Freiheit und die beiden wurden gute Freunde, weshalb er, nach einer kurzen Reise, wieder zu ihm zurückkehrte. Er besitzt nach wie vor starke magische Kräfte, die in brenzligen Situationen oft nütze sind. Charakterlich ist er extrovertiert und sensibel, jedoch meist von ansteckender guter Laune beherrscht (Wikipedia)

Und musikalisch kommt das Lied absolut authentisch daher.. halt wie eine Geschichte aus Tausend und eine Nacht.

Knallhart von der ersten Sekunde von RUMPELSTILZCHEN hämmern die Drums in die Ohren und Sabine erzählt uns ein weiteres von Grimms Märchen. Absolut gelungen und beinhaltet für mich einen der schönsten Refrains auf dem Album: rasend schnelle Drums und Gitarren, die Sabine´s leicht gezogenen Gesang förmlich fliegen lassen.

Lies auch:   Heroes Don´t Ask Why - Finnischer Melodic-Metal

Auf der Suche nach einem Favoriten auf EVERLAND blieb ich bei WONDERLAND hängen. Ein über sechs Minuten langes Glanzstück von musikalischer Vielfalt, begonnen von Stakkato-Gesang, der sich mit anderen Gesangsstilen abwechselt. Ebenso abwechslungsreich auch Tempo und Instrumente, mal beschaulich, gar leicht poppig, bis hin zum fetten Powermetal inklusive Growls.

LOVE OF A BEAST überzeugt mit echt fetten Gitarren-Riffs und könnte einem Musical entnommen sein. Und immer wieder gerät im Refrain der entschleunigte, gezogene Gesang in gesunden Kontrast zum Tempo, das die Instrumente vorlegen.

Innerlich zerrissen hat mich alsbald FROM THE OTHERWORLD. Für eine Metal-Scheibe wirkt er stellenweise fast ein wenig poppig, könnte für die Harten unter den Mainstream-Hörern ein Hit werden. XIPHEA wagen hier einen Spagat zwischen den Musik-Stilen, überzegen mich aber mit den Riffs und einer echt fetten Hookline.

Hurra, endlich eine Ballade“ war mein erster Gedanke, als THE SNOWQUEEN die ersten Klänge mit winterlichen Samples in mein Ohr trieb. Angenehm ruhig und voll mit Orchester beginnt eine ruhige Episode, die dann aber mit deutlichen schnelleren Abschitten abgelöst wird. Für XIPHEA-Verhältisse würde ich das mal als ein gesundes Mid-Tempo bezeichnen.

Mystisch beginnt der Abschluss des vierten Albums aus Franken. Geradezu filmisch leitet ein, mit reichlich Orchester garniertes Intro in den Mainpart von PALACE OF THE DRAGON KING ein, welches ein Wechselbad der Gefühle wird. Schnelle Drums und Gitarren stehen wieder gemächlichen Streichern und Gesang in wechselnden Geschwindigkeiten gegenüber.  Ein gelungener und würdiger Abschluss für EVERLAND.

Fazit

Es war mir ein absoluter Hochgenuss hören und erleben zu dürfen, wie eine Band ihrem durchaus etwas speziellem Konzept treu bleibt und sich dabei stetig fortentwickelt. Es gehört schon eine ordentliche Portion Mut dazu, so intensiv mit Stilen und Elementen zu spielen, wie XIPHEA es machen. Mit EVERLAND beweisen die fünf Franken, dass sie nicht nur ihr Handwerk beherrschen, sondern auch das Konzept ihrer neuen Scheibe ordentlich ausgearbeitet haben. Sie garnieren ihre Songs nun mit noch mehr Orchester und auch der Gesang von Frontlady Sabine wird öfter mit einer zweiten Stimme unterlegt.

Lies auch:   Review: "Spukhaus" von Nachtgreif

EVERLAND ist ein großartig arrangiertes und inszeniertes musikalisches Märchenbuch. Geeignet nicht nur für die Freunde des harten Metal, sondern auch diejenigen unter uns, die einfach eine tolle Zeit mit handwerklich sehr gut gemachter musikalischer Abwechslung genießen wollen.

Sorry, aber für EVERLAND muss ich einfach 5 von 5 Punkten raushauen. Und ein Arbeitsbienchen eigentlich auch noch 🙂

EVERLAND erscheint am 06.10.2018 und wird auf der Fairymetal Night II live vorgestellt

fairymetal-night
Quelle: Xiphea-bandpage
Tracklist

01 Ice Cold Cave
02 Hook
03 Genie
04 Rumpelstilzchen
05 Salt And Diamonds
06 Wonderland
07 Love Of A Beast
08 From The Otherworld
09 The Snowqueen
10 Palace Of The Dragon King

Line-Up

Sabine – Vocals
Neil – Guitar, Shouts
Daniel – Drums
Michael – Lead Guitar
Frank – Bass

Die Band im Web

https://www.xiphea.com
https://www.facebook.com/Xiphea/

Quellen

Zitat „Band-Bio“ und Bildmaterial: Facebook-Bandpage
Zitat „Dschinni“: Wikipedia

Das Promo-Kit wurde kostenlos digital zur Verfügung gestellt