Bands & Breakfast im Interview

Bed & Breakfast kennt jeder, aber was ist Bands & Breakfast

Musiktelegraf Dirk: Hallo Steffi und Mike, Ihr beide habt ein sehr ungewöhnliches Projekt am laufen. Ihr gebt Bands und Musikern eine Herberge, wenn Sie in Zürich sind. Wie kommt man auf so eine Idee?

Mike: Hallo Dirk! Ersteinmal vielen Dank von uns beiden, das wir heute mit dir dieses Interview führen dürfen. Das ist richtig. Wir bieten Bands und Musikern aus den Genres Rock´n´Roll, Mittelalter, Gothic, Industrial, Metal, bis zu EBM während ihrer Shows in der Schweiz, nicht nur wenn sie in Zürich spielen, eine kostenlose Unterkunft und Verpflegungsmöglichkeit an. Die Idee entstand vor ca. 4 Jahren doch recht zufällig und spontan, da damals eine Veranstalterin für eine gebuchte Band welche aus Finnland kommt eine kostengünstige Variante zum Tourbus, Hotel oder ähnliches suchte. Nach kurzer Überlegung entschlossen wir dann, die Jungs während 4 Tagen bei uns einzuquartieren, was sowohl uns, als auch der Band mega Spass gemacht hat.

Musiktelegraf Dirk: Ich meine, wer Musiker kennt weiß, dass die doch mitunter sehr speziell sein können, denke ich an völlig zertrümmerte Hotelzimmer zum Beispiel.

Bands & Breakfast
Quelle: Webseite Bands & Breakfast

Mike:: Klar, wer von den älteren Semestern kennt nicht auch diese Storys, wo in den Medien berichtet wurde, das die ein oder andere Band im laufe der jeweiligen Bandgeschichte in diversen Hotels die Zimmer, nun, sagen wir, etwas umdekoriert haben?! * lach * Aber das ist heute vollkommen anders. Die meisten gerade bekannten Bands gibt es zum Teil nicht mehr, oder wenn, dann sind sie älter und reifer geworden. Bei den Newcomern und Underground Bands ist das heute auch kein Thema. Die meisten unserer Gäste sind eher froh, wenn sie nen Schlafplatz haben, sich ums Essen und nötigenfalls Waschen der Wäsche nicht gross sorgen müssen, Internet haben, um mit der Familie oder den Fans via FB und co in Kontakt zu bleiben und sich, wenn Zeit während einer anstrengenden Tour bleibt, auch das ein oder andere anschauen zu können.

Musiktelegraf Dirk: Ihr bietet das völlig kostenlos an. Wie finanziert Ihr das Projekt? Mehrere hungrige Mäuler zu stopfen kann doch durchaus ganz schön ins Geld gehen.

Mike: Das Projekt trägt sich aktuell eigentlich mehrheitlich selbst. Da wir dies in unserer eigenen Wohnung (+/- 60m²) anbieten, für die wir so oder so Miete zahlen müssen, sind die Ausgaben eher überschaubar. Und ob wir nun essen für 2 oder 8, selten sogar für 10 Personen machen, ist eigentlich auch eher ein geringer Aufpreis, den wir aber sehr gern bereit sind zu zahlen. Da ist das ganze drumherum, also der reine Zeitaufwand wie die Vor- und Nachbereitung, das herstellen neuer Kontakte, Promos, Pflege der FB Seite und Homepage, usw. viel intensiver und aufwendiger, als man denkt. Und die allermeisten Gäste bleiben eh in der Regel nur eine Nacht und fahren dann am nächsten Morgen nach dem Frühstück gleich weiter.

Steffi: Mike hat da schon recht. In der Regel sind die meisten unserer Gäste nur zum Frühstück da, wobei wir auch keine Probleme haben, Gäste auch für 3 oder 4 Tage zu bewirtschaften. Also nicht nur mit Frühstück, sondern auch für Mittagessen und Abendbrot. Ausserdem backe ich leidenschaftlich und mache vom Kuchenboden bis zur Deko das meiste in Handarbeit selbst. Und so ein selbstgemachter Hefezopf oder ein selbst gemachtes Brot ist auch recht einfach und relativ schnell gemacht und nicht mal annähernd so teuer, wie viele denken.

Mike: Dennoch ist Bands & Breakfast auf Spender und Gönner angewiesen, nicht nur, um die derzeit noch geringen Ausgaben langfristig zu decken, sondern auch, um das Projekt stetig zu verbessern und erweitern zu können.

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Musiktelegraf Dirk: Auf Wunsch organisiert Ihr sogar noch ein „nettes Drumherum“ für Eure Gäste. Was kann man bei Euch so alles erleben?

Mike: Du, das hängt natürlich ganz von unseren Gästen ab. Wir haben Gäste aus Amerika, die noch am Anreisetag, nachdem sie ein wenig geschlafen und den Jetlag ein wenig verdaut haben sich gerne Zürich anschauen würden. Dann geht´s an den See und durch die Altstadt. Aber wir bieten auch Fahrten in die Berge, Besuch einer nah gelegenen Bowlingbahn, Kino, und anderes an. Je nachdem wie lange die Band bei uns zu Besuch ist.

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Quelle: Webseite Bands & Breakfast

Steffi: Allerdings kommen die allermeisten Gäste erst immer nach dem Gig zu uns, setzten sich dann auf die Couch und Mike unterhält sich dann noch ein wenig mit denen, oder die Jungs und Mädels nutzen unser kostenloses Gäste W-Lan um noch wichtige Dinge zu machen. Danach sind sie dann so fertig, das sie sofort einschlafen und dann am Morgen nach dem Frühstück weiter müssen. Also bleibt nicht viel vom Aufenthalt in der Schweiz.

Mike: Richtig! Aber für Bands, die bereits einen Tag vor dem jeweiligen Schweiz Gig bei uns sind, können wir zudem noch eine Promoshow beim befreundeten Radiosender Radio Drachenblut anbieten, wo die Band nicht nur über sich selbst, sondern auch ihre Show in der Schweiz nochmals ordentlich Werbung machen kann, damit die Bude auch möglichst voll wird.

Musiktelegraf Dirk: Wie läuft das so ab, wenn die Musiker bei Euch sind? Lümmelt sich dann die Band bei euch auf der Couch herum, qualmt die Hütte voll bis der Rauchmelder um Gnade fleht und glüht jammend auf der Couch für den Gig vor ? Nicht, dass ich da jetzt ein Klischee vor Augen hätte…. *lach

Mike: Das ist von Band und Musiker unterschiedlich. Wie gesagt, die meisten Bands und Musiker, die bei uns waren fahren zu erst einmal die jeweilige Location an. Dort treffen wir uns dann in der Regel, Steffi gibt dann den Kuchen, oder was sie sonst gebacken hat der Band zum essen oder stellt es im Backstage, sofern vorhanden ab, dann wird noch ein wenig gequatscht und ein wenig am Soundcheck gefeilt. Dann ist die Show und danach gehts in der Regel schnell zu uns und es wird relativ schnell geschlafen. Am nächsten Morgen wird dann so in der Regel zwischen 10 – 12 aufgestanden, etwas gegessen, dann gibts noch was zu essen für die anstehende weiterfahrt mit und dann war es das auch schon.

Steffi: Genau. Zumal es auch viele Musiker gibt, die überhaupt gar nicht rauchen und man dann eben schauen muss, das ja alle Fenster zu sind, während man selbst auf dem Balkon raucht. * lach *

Musiktelegraf Dirk: Insgesamt ist Eure Idee ja doch recht ungewöhnlich. Mal ehrlich, gibt es denn überhaupt eine Nachfrage?

Mike: Es ist wie in jedem Unternehmen oder einer Bar, du hast mal Zeiten, in denen es weniger gut läuft und dann gibt es wieder Zeiten, wo du dir manchmal wünschst, das es bald wieder ruhiger wird. Bei uns sind es die Sommermonate, dann, wenn die ganzen Open-Airs anstehen, wo es extrem ruhig ist und man sich wieder freut, wenn es draussen etwas kühler wird. Ab Herbst bis ca. Frühling steigt dann die Nachfrage wieder. Wobei wir natürlich hoffen, das mit zunehmenden Spenden auch dieses sich zunehmend verteilen lässt und die Gäste nicht nur in den kalten und kälteren Wochen kommen, sondern auch im Sommer.

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Musiktelegraf Dirk: Das überrascht mich direkt, aber nun bin ich auch ein bekannt langweiliger Preuße. Wenn es nun so eine große Nachfrage gibt, habt Ihr vielleicht Ambitionen das Ganze etwas größer aufzuziehen?

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Quelle: Webseite Bands & Breakfast

Mike: Bands & Breakfast ist ein aufstrebendes, unabhängiges, privates, gemeinnütziges Projekt, das Musiker und Bands unterstützt. Dabei spielen für uns weder die Glaubensrichtung, Hautfarbe, Herkunft oder sonst was eine Rolle. Nur bei ganz deutlichen Rechts oder Linksextremistischen Bands sagen wir deutlich nein. Aufgrund der aktuell geringen Schlafplatzmöglichkeit und der Tatsache, dass wir auch schon von grossen Bands, welche mit mehr als nur 4 Personen Touren angefragt worden sind, steht in erster Linie die Erweiterung der Schlafplätze auf bis zu 300 Betten im Vordergrund. Dies auch, weil wir nicht nur einer, sondern mehreren Bands welche in der Schweiz spielen Zeitgleich diese Möglichkeit bieten wollen. Aber nicht nur das, geplant ist auch ein Tonstudio für Musiker und Bands, die auch während ihrer Tour bei längeren Aufenthalten an ihrem neuen Album arbeiten wollen und eine Open-Air Bühne, wo die Musiker und Bands entweder ein eigen Regie, aber auch in Zusammenarbeit mit lokalen Veranstaltern Events austragen können. Ganz ohne diesem Kindischen und unqualifiziertem Konkurrenzverbot.

Musiktelegraf Dirk: Wie und wo können Euch zukünftige Gäste am besten kontaktieren?

Mike: Musiker und Bands können mit mir via FB Kontakt aufnehmen. Dazu einfach in der Suchleiste Bands & Breakfast eingeben und schon sieht man unsere FB Seite mit unserem Logo. Dann einfach drauf gehen und anschreiben.

Musiktelegraf Dirk: Wie läuft die „Buchung“ ab?

Mike: Die Buchung ist relativ simpel. Dazu geht man ganz einfach auf www.bands-and-breakfast.com, dort auf das Kontaktformular, sieht neben dem Kontaktformular ein Kalender, schaut sich dort um, ob an dem jeweiligen Tag noch eine Buchung möglich ist, füllt dann das Kontaktformular vollständig und korrekt aus, sodass ich auch Antworten kann und dann melde ich mich und kläre alles weitere ab. In der Regel sagen wir, das wir spätestens 7 Wochen vor dem Gig eine Schriftliche Buchungsanfrage eingereicht bekommen haben müssen, da wir das ganze noch Hobbymässig betreiben und Steffi Hauptberuflich im Schichtbetrieb arbeitet, können kurzfristige Buchungen nicht berücksichtigt werden. Der Vertrag den der Gast, bzw. die Gäste bekommt muss dann spätestens bis 6 Wochen bei uns unterschrieben wieder eingehen, damit eine Buchung als bestätigt gilt.

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Quelle: Webseite Bands & Breakfast

Steffi: Was sich jetzt dramatisch anhört, bezüglich des Vertrags, ist eigentlich nur eine Lappalie. Dort steht nur nochmal drin, wer wir sind, was das Projekt ist, welche Regeln es zu beachten gilt, also Nachtruhe, Rücksicht auf die Nachbarschaft, usw. und dann eben, wann genau die Gäste anreisen, ob eben vor oder nach dem Gig, wie lange der Aufenthalt geplant ist, was sie essen dürfen, also ob Allergien vorliegen, oder ob jemand Vegan oder Vegetarisch ist, wen wir im Notfall kontaktieren sollen, sollte mal jemand von den Gästen ins Spietal müssen, ob Freizeitangebote ggf. erwünscht sind, wenn sie länger als nur eine Nacht bleiben. Einfach, das man sich dann auf die Gäste individuell besser einstellen und das passende vorbereiten kann. Dieser muss einfach aus Versicherungstechnischen Gründen zwingend von den Gästen selbst ausgefüllt werden, damit Unfälle, wie Allergische Schocks oder ähnliches bestmöglich ausgeschlossen werden können.

Musiktelegraf Dirk: Und jetzt plaudert doch mal aus dem Nähkästchen: wer war bei Euch schon so alles zu Gast?

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Mike: Bei uns waren schon einige Bands und Musiker zu Gast. Unter anderem Khroma aus Finnland, dann eine Band aus Afrika, Jimmy Gee aus Deutschland, The Maension aus den Staaten, Kickin Valentina aus den Staaten, Sons of Sound aus Deutschland, Trans Carpathian Orchestra aus Osteuropa, und noch einige mehr. Derzeit kommen wir auf plus minus 30 Gäste innerhalb der 4 Jahre circa.

Musiktelegraf Dirk: Gibt es jemanden, den Ihr unbedingt mal bei Euch zu Gast haben würdet?

Mike: * lach * Du, da gibts einige. Ich würde nicht mal vor grossen Namen wir Oomph, Fozzy, David Guetta, Steve Aoki, Doro Pesch usw. halt machen. Aber dafür sind wir noch zu klein und unbedeutend, als das solche Bands und Musiker überhaupt uns in Anspruch nehmen würden, da diese doch eher 4 – 5 Sterne Hotels gewohnt sind. Aber sollte auch von ihnen eine Anfrage kommen, würden sie genauso behandelt und begrüsst werden, wie auch die Gäste, die wir sonst beherbergen. Zumal es auch geplant ist, das Bai Bang, welche mehrfach bereits in Wacken aufgetreten sind, bei uns übernachten wollen.

Musiktelegraf Dirk: Am Ende eines jeden Interviews gibt es immer die Möglichkeit sich alles von der Seele zu reden, was schon immer mal gesagt werden sollte und zu grüßen, was das Zeug hält. Legt los Ihr Zwei !

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Quelle: Webseite Bands & Breakfast

Mike: Uns ist das Projekt im Laufe der Zeit sehr ans Herz gewachsen und auch die ganzen Musiker und Bands, mit denen wir bereits aktuell im Gespräch sind, sind alle durchweg begeistert. Nicht nur, weil wir sehr viel Zeit, meistens gehen meine Arbeitstage 20 Stunden 7 Tage, reinstecken, sondern auch verdammt viel Herzblut.

Aber das aktuelle Angebot und die damit verbundenen Möglichkeiten sollen und dürfen nicht stehen bleiben! Daher ist es mir ein persönliches Anliegen nochmal zu erwähnen, wie wichtig es ist, nicht nur Bands und Musiker durch den kauf von Merch und Cds zu unterstützen, sondern auch uns, damit wir wiederum mit steigender Anzahl an Schlafplätzen und Möglichkeiten wie oben bereits erwähnt helfen können. Dies wiederum hat gerade in der heutigen Zeit, wo immer mehr gerade in unserer Szene ein anhaltender Schwund von Events, Veranstaltungen und Fanzahl zu spüren ist, einen enorm wichtigen Stellenwert. Wer also die Szene liebt und den Erhalt wünscht, sollte sich nun ernsthaft überlegen, nicht doch einen kleinen, aber wichtigen Spendenanteil beizutragen. Es müssen nicht gleich die grossen Millionen sein, wenn jeder Rock und Metalfan auch nur 10 Euro spenden würde, liese sich dies auf die Masse verteilt sogar langfristig umsetzten. Nur darauf zu vertrauen, das es ja die anderen schon machen, das hilft niemandem. Uns ist durchaus bewusst, das dies ein langwieriger und schwieriger Prozess ist, den wir aber gern hinnehmen. Rom wurde schliesslich auch nicht an einem Tag erbaut.

Menschen, die uns Finanziell unterstützen möchten, haben hierzu zwei Möglichkeiten: Die eine ist via Bank auf folgendes Konto:

Zürcher Kantonalbank Postfach 8010 Zürich Bankenclearing-Nummer: 700 SWIFT-Adresse (BIC): ZKBKCHZZ80A IBAN: CH70 0070 0350 0471 2911 7 Verwendungszweck: Name des Spenders Band, Musikers, Labels, Einzelperson, etc.

oder via Paypal:

paypal.me/bandsandbreakfast

Ausserdem wollen wir uns hiermit nochmals bei Dir Dirk für das tolle und interessante Interview bedanken.

Musiktelegraf Dirk: Ich danke Euch für Eure Zeit und dass ich dieses Interview mit Euch führen durfte und wünsche Euch viele interessante und spannende Gäste!!!

Bands & Breakfast im Web:

http://www.bands-and-breakfast.com/

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